ARCANA
Regionale 10 war für mich nicht vorbei mit dem Abschliessen unserer Veranstaltungen in der Obersteiermark. Ich durfte noch einige Male reisen und bei Arcana, dem Festival der Neuen Musik in St Gallen teilenehmen dürfen. Und nach dem was ich erlebte, darf ich laut "sagen", dass ich mich sehr stark auf dieses Festival konzentriert hätte, wenn ich als Fremdseherin in St Gallen gewesen wäre. Ich erlebte, und ich schrieb, dieses Gedicht ...
Arcana*
-Die Neue-
Ich frage mich
ob das Leben der Engel
mittlerweile
auch so unumkehrbar wie jenes der Menschen ist,
dass sie so verbittert klingen…
-Verzeichnis-
Die Stimmen haben sich gesammelt
und konnten lange üben,
üben auch heute
unter dem strengen Blick
des Herrn
im Herzen der Berge.
Alle sehnen sich nach dem Himmel
wie auch ich
unter diesem Schrecken einjagenden
grau-braunen Himmel,
der die Wolken zum Schützen schickt,
zum Schützen der Kirche?
Die Stimmen haben sich gesammelt,
übereinander
nebeneinander,
400 Jahre schwere Stimmen
voll mit Kratzern
Asche
Wehmut
und überreichen
der Kirche von St Gallen
das Verzeichnis der Hexen-Leute.
Die Kirchenläute …
Die Kirche läutet
kalt und unverzeihlich.
Die Kirchenleute …
Die Kirche erleuchtet
langsam.
Mühelos erreicht die Welle des Unwetters
die Berge,
die Kirche
und die Kirche versteht es allmählich:
nur sie kann die Kirche vor sich selbst schützen.
-Notturno-
Die Musik schweigt und lebt,
erreicht ihren Höhepunkt
und löst sich langsam auf
wie ein Wiegenlied,
das das Süße seiner Seele
beim Weinen
verloren hat.
Der Pianist salutiert
die spätsommerliche Nacht
mit dem Klang:
Arcana.
Juli 2010
* Beim Arcana Festival of Contemporary Music in St Gallen, Austria - inspiriert von „Verzeichnis“, ein Musikstück für sechzehnstimmigen Chor, von Friedrich Cerha gesungen vom Arnold Schönberg Chor und „Palais de Mari“, ein Musikstück von Morton Feldman, gespielt von Marino Formenti und "Arcana", ein Musikstück von Hèctor Parra, gespielt von Nicolas Hodges.